BUND: 16.400 Arbeitsplätze durch Elbschifffahrt ist realitätsfern und unseriös

BUND: 16.400 Arbeitsplätze durch Elbschifffahrt ist realitätsfern und unseriös

Seit drei Jahren, seit dem Hochwasser 2013, führt die Elbe fast ununterbrochen Niedrigwasser. Gütertransporte finden kaum noch statt - im Bild eine Leerfahrt eines Schubschiffes bei Barby (Elbe)
Seit drei Jahren, seit dem Hochwasser 2013, führt die Elbe fast ununterbrochen Niedrigwasser. Gütertransporte finden kaum noch statt – im Bild eine Leerfahrt eines Schubschiffes bei Barby (Elbe)

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND)

Pressemitteilung vom 27. Juli 2016

BUND: 16.400 Arbeitsplätze durch Elbschifffahrt ist realitätsfern und unseriös

Hamburg/Dresden/Magdeburg: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bezeichnet die von den Ländern Hamburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Brandenburg für 50.000 Euro in Auftrag gegebene und aktuell vorgelegte Elbschifffahrtsstudie („Wirtschaftliche Bedeutung der gewerblichen Elbschifffahrt“) als realitätsfern und methodisch unseriös. Gegenstand der Studie sollte die wirtschaftliche Bedeutung der Binnenschifffahrt auf der 600 Kilometer langen, frei fließenden Mittel- und Oberelbe zwischen Dresden und Lauenburg/Geesthacht sein. Um diesen Flussabschnitt geht es auch bei dem Gesamtkonzept Elbe, welches das Bundesverkehrs- und das Bundesumweltministerium gemeinsam entwickeln.

„Die Studie täuscht eine wirtschaftliche Bedeutung der Schifffahrt auf der Mittel- und Oberelbe vor, die es so nicht gibt. Das Untersuchungsgebiet wurde auf die Räume Hamburg, Lübeck, Berlin/Brandenburg und Haldensleben ausgedehnt, die über ganzjährig nutzbare Kanalanschlüsse verfügen und nicht auf die Schiffbarkeit der freifließenden Elbe angewiesen sind“, erklärt Iris Brunar vom BUND Elbeprojekt. „Tatsächlich sind zwischen 2014 und 2015 nur rund 0,4 Millionen Tonnen Güter auf der Elbe transportiert worden.“ Auch der Hafenstandort Magdeburg wickle seine Transporte größtenteils nicht über die Elbe, sondern über den Mittellandkanal und den Elbe-Havel-Kanal ab.

„Durch den weitgefassten Untersuchungsrahmen der Studie ergibt sich eine völlig überzogene und realitätsferne Kalkulation von Arbeitsplätzen. Es ist unseriös, auf dieser Basis Rückschlüsse auf die Beschäftigungswirkung der gewerblichen Schifffahrt auf der Mittel- und Oberelbe zu ziehen,“ kritisierte Brunar.

Deutliche Kritik übt auch der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Hans-Ulrich Zabel von der Universität Halle-Wittenberg: „Es ist höchst unzutreffend und verantwortungslos, den Eindruck zu erwecken, dass durch einen Elbeausbau über 16.000 Arbeitsplätze geschaffen bzw. gesichert werden könnten. Die Kosten und Schäden eines Elbeausbaus gingen in die Milliarden. Ein Nutzen ist dagegen kaum erzielbar, denn die logistische Forderung an ein modernes Transportmedium – stabiler, plan- und vertraglich abzusichernder, ununterbrochener ganzjähriger Zugriff – ist nicht realisierbar.“

Auch nach Ansicht des BUND stellen nicht die fehlende Baumaßnahmen das Hauptproblem an der Elbe dar, sondern vor allem die fehlenden Wassermengen als Folge unvorhersehbarer Niedrigwasserperioden. „Allein im Jahr 2015 war die Güterschifffahrt auf der Elbe wegen Niedrigwasserständen über sechs Monate hinweg komplett eingestellt, 2016 ist das dritte extreme Niedrigwasserjahr in Folge. Baumaßnahmen können an dem Wassermangel nichts ändern“, sagte Brunar. Die in der Studie vorgetragene Forderung mancher Unternehmen nach einer ganzjährigen Schiffbarkeit der Elbe mit einer Mindestfahrtiefe von 1,60 Metern an 345 Tagen pro Jahr wäre nur mit einem kompletten Ausbau der Elbe erreichbar.

„Die Elbe ist viel bedeutsamer als Natur- und Erholungsgebiet denn als Wasserstraße. Allein der Elberadweg sorgte 2015 für Umsätze von rund 127 Millionen Euro. Für den Flusstourismus ist eine intakte Natur und Landschaft ausschlaggebend, die aber durch eine weitere Vertiefung der Elbe auf die in der Studie geforderten 1,60 Meter an 345 Tagen stark gefährdet ist. Die Austrocknung der Elb-Auen, die wir aktuell beobachten, ist hierfür ein bitterer Vorgeschmack. Die verkehrliche Nutzung des Flusses und das Erholungsgebiet Elbe lassen sich nur vereinbaren, wenn keine Schäden an Natur und Landschaft entstehen“, sagt Brunar.

Weitere Informationen:

Link zur Studie: http://www.gesamtkonzept-elbe.bund.de/Webs/GkElbe/DE/Informationen/Studien/Studien_node.html;jsessionid=0EF5CFE26787382AAB170493F8D64CE2.live21301

Rückfragen:
Iris Brunar, BUND Elbeprojekt, mobil: 0178 – 163 7978, E-Mail: iris.brunar@bund.net, www.bund.net


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