Video: Dialog im Boot 2014

Video: Dialog im Boot 2014

17.07.2014

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Zum Dialog im Boot luden am Mittwoch die beiden Naturschützer Ernst Paul Dörfler und Iris Brunar ein. Seit zwölf Jahren organisieren der promovierte Chemiker und die Freie Autorin diese schwimmende Diskussionsrunde im alten NVA-Schlauchboot schon – mit dem Ziel, auf die Probleme des zweitlängsten deutschen Flusses aufmerksam zu machen. Auf dem Teilstück von der Wittenberger Wassersportgemeinschaft bis nach Griebo fanden sich diesmal illustre Gäste – neben der Bundestagsabgeordneten Steffi Lemke (GRÜNE) nahmen unter anderem auch der Direktor der Evangelischen Akademie Friedrich Kramer, Propst Siegfried Kasparick und die Chefin der Tourismusregion Anhalt-Dessau-Wittenberg auf dem Schlauchboot Platz.

Der ständige Rückgang der transportierten Güter auf dem Fluss ist für die Umweltschützer ein Signal, dass der Ausbau als Transportweg ein Weg in die falsche Richtung ist. Rückbau statt Ausbau propagiert etwa der BUND – weil vor allem die Buhnen und Steinufer entlang der Elbe einen Prozess in Gang halten, der langfristig große Schäden in den umliegenden Landschaften nach sich ziehen dürfte. „Sohl-Erosion“ nennt sich das ständige Eingraben der Elbe in ihr Sandbett – der Grund wird fortgespült, bei gleich bleibendem Wasserstand sinkt der Spiegel des Flusses und trocknet damit die umliegende Elbaue sukzessive aus. „Der Fluss räumt sein eigenes Bett leer. Das ist ein sich selbst beschleunigender Prozess“, erklärt Ernst Paul Dörfler.

„Besonders spannend fand ich die Frage, wie man sich die Elbe in zwanzig, dreißig Jahren vorstellt“, berichtet Friedrich Kramer. Für ihn sei die „Loire von Deutschland“ eine wünschenswerte Option – eine Marke, ein naturnaher Fluß, der Umwelt und kulturelle Güter in Zusammenhang stellt. „Die Akademie ist ja in vielen Diskussionen Moderator – in der Elbefrage aber sind wir ganz klar Faktor und sprechen uns für ein Ende des Ausbaus aus“, erklärt er. Die Transportzahlen brechen seit Jahren ein, lange Niedrigwasserperioden machen eine Planungssicherheit für die Nutzung der Elbe als Transportweg zunichte. Eine Umkehr im Denken sei aber für andere Wirtschaftszweige entlang des Stroms von Vorteil. „Wir haben von Anfang an auf sanften Tourismus gesetzt. Ich denke da vor allem an Familie Bühnemann in Coswig mit ihren Paddelbooten, das Motorschiff „MS Lutherstadt Wittenberg“ von Jan Harnisch oder den toll ausgebauten Elberadweg. Da brauchen wir intakte Natur“, erklärt etwa Elke Witt. Auch für die grüne Bundestagsabgeordnete Steffi Lemke ist klar, dass ein Ausbau der Elbe als Transportweg mehr Schaden als Nutzen mit sich bringt. Bis zur Verabschiedung des Bundesverkehrswegekonzeptes müsse der Runde Tisch zur Elbe nun einen Kompromiß zwischen Umweltschutz und Wasserstraße herausarbeiten – das regelmäßige Netzwerktreffen im Schlauchboot sei dafür ein Schritt in die richtige Richtung.


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