Pilgerreise für die Elbe: Grenzübergreifendes Engagement für eine wertvolle Flusslandschaft

Pilgerreise für die Elbe: Grenzübergreifendes Engagement für eine wertvolle Flusslandschaft

5. Juni 2011

Schwimmprojekt 2011 „Elbe verbindet – Staustufe trennt“

Die Anhaltischen Schwimmer, Claus-Rainer Wolter und Torsten Kettritz sind wieder wohlbehalten in Dessau angekommen. Die zwei Sportler sind zusammen mit Kirsten Seidel aus Dresden und Jana Vitnerova von der tschechischen Umweltorganisation Arnika sowie drei weiteren Aktiven schwimmend von Děčín an der tschechischen Elbe zum 33. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden angereist. Die Elbeschwimmer machten mit ihrer Aktion auf die Einzigartigkeit der Flusslandschaft Elbe aber auch auf deren Gefährdung durch den geplanten Staustufenbau in Tschechien und den ausbauartigen Baumaßnahmen in Deutschland aufmerksam.

Pünktlich um 15.30 Uhr trafen die Flusspilger am Mittwoch, 1. Juni zeitgleich mit dem Fahrgastschiff der Evangelischen Landeskirche Anhalts „Anhaltische Bo(o)tschaft“ zu Beginn des Deutschen Evangelischen Kirchentags in Dresden ein. Dort wurden sie von Kirchenpräsident Joachim Liebig begrüßt, der die Schirmherrschaft für die Aktion übernommen hatte.

„Unser grenzübergreifendes Engagement für eine einzigartige Flusslandschaft wurzelt in dem Motto des Deutschen Evangelischen Kirchentags ‚Denn wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein‘. Und unser Schatz ist die Elbe“, so Claus-Rainer Wolter.

Foto I. Brunar: Schwimmer von links nach rechts: Wolter, Seidel, Kettritz mit Begleitboooten
Foto I. Brunar: Schwimmer von links nach rechts: Wolter, Seidel, Kettritz mit Begleitboooten

Die Elbe und ihre Auen sind als vielfach – auch international – geschützter Naturraum ein Juwel unter den Flusslandschaften in Mitteleuropa. Seit 20 Jahren engagieren sich Bürger, Verbände und Kirchen für den Schutz dieses Naturerbes. Doch nur allzu häufig stießen sie bei den verantwortlichen Politikern auf taube Ohren.

„Mit unserer Schwimmaktion von Děčín zum Kirchentag in Dresden, über 70 Elbe-Kilometer und durch die Nationalparke Sächsische und Böhmische Schweiz, möchten wir auf die Schönheit und den Wert dieser Flusslandschaft aufmerksam machen, denn die Elbe ist ein erstklassiger Fluss!“, betont Torsten Kettritz.

Sie sei jedoch nur eine viertklassige Wasserstraße. Obwohl seit Mitte der 90er Jahre mehrere hundert Millionen Euro ausgegeben worden sind, werde immer weniger transportiert. Seien es vor der Wende noch 9,5 Mio. Tonnen pro Jahr gewesen, läge das Frachtaufkommen inzwischen nur noch bei 1 Millionen Tonnen pro Jahr. „Die Elbe ist ein hochsubventionierter Verkehrsweg ohne nennenswerten Verkehr, wie wir auch wieder auf unserer Tour von Děčín nach Dresden feststellen konnten. Während der zwei Tage sind uns nur drei Schiffe begegnet,“ berichtet Aktivschwimmer Kettritz.

Zu Recht habe das Bundesverkehrsministerium die Elbe als Nebenwasserstraße eingeordnet. Ein weiterer Ausbau ist nicht finanzierbar. Die leeren Kassen – nicht der Bürgerwille – haben zu diesem Schritt geführt.

„Es ist höchste Zeit für einen neuen Umgang mit der Elbe. Wir Schwimmer kennen die Elbe und wissen: Als Wasserstraße ist sie auf Grund ihrer Niedrigwasserperioden denkbar ungeeignet. Das gilt nicht nur für die tschechische freifließende Elbe, sondern auch für die deutsche Elbe. Der Bau einer Staustufe bei Děčín würde keine Gütertransporte ganzjährig bis nach Hamburg ermöglichen, denn die deutsche Elbe führt im Schnitt an 100 Tagen im Jahr Niedrigwasser. In diesem Jahr sind die Wasserstände schon seit Anfang Mai sehr flach – und der Sommer ist noch lang“, berichtet Claus-Rainer Wolter aus Erfahrung.

„Die Elbe ist eine einzigartige Schönheit, die jedes Jahr hunderttausende Besucher anzieht. Sie ist damit von großer wirtschaftlicher Bedeutung für die gesamte Elbe-Region. Elbe verbindet – Staustufe trennt und zerstört diese Landschaft. Dies wollen wir verhindern!“ so das Gesamtfazit aller Teilnehmer der Tour.

Daher fordern die Aktiven mit Blick auf Tschechien keine weiteren Staustufen an der Elbe sowie den Stopp der nutzlosen ausbauartigen Baumaßnahmen in Deutschland. Statt weiter sinnlos in eine Wasserstraße zu investieren, solle mehr für den ökologischen Hochwasserschutz getan werden. Das bedeutet Flussschutz und Auenschutz. Die Elbe soll UNESCO Welterbe werden. Die Elbe ist ein Schatz – und einen Schatz zerstört man nicht.

Begleitet wurde die Tour vom Elbufercamp und dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Rückfragen: Iris Brunar | BUND-Elbeprojekt, Koordination Elbe
Kirschweg 15, 06846 Dessau-Roßlau
Tel.: +49 – (0)340 – 850 7978, Mobil: +49 – (0) 178 – 163 0204
www.elbeinsel.de und www.flussschwimmen.de


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