
Wasserstraße Elbe: Mit Wunschdenken Steuergelder versenken
BUND Brandenburg fordert Kurswechsel hin zu Naturschutz, Wasserrückhalt und naturverträglicher Nutzung
Seit über drei Jahrzehnten werden in Ostdeutschland hunderte Millionen Euro in den Ausbau der Bundeswasserstraße Elbe investiert – ohne erkennbaren Nutzen für den Güterverkehr, aber mit gravierenden ökologischen und wirtschaftlichen Schäden. Der BUND Brandenburg fordert eine neue Flusspolitik, die die Elbe als lebendigen Fluss mit Auen, Artenvielfalt und stabilem Landschaftswasserhaushalt stärkt.
„Je mehr Geld in die Wasserstraße Elbe geflossen ist, desto weniger Güter wurden tatsächlich transportiert. Mit der Abwicklung der letzten nennenswerten Elbe-Reederei CSPL am 30. April 2025 ist klar: Der Traum von verlässlicher Frachtschifffahrt auf Mittel- und Oberelbe ist vorbei“, sagt Carsten Preuß, Landesvorsitzender des BUND Brandenburg.
Das Festhalten am Ausbaukurs blockiert dringend nötige Maßnahmen für natürlichen Hochwasserschutz, Wasserrückhalt in der Fläche, Biodiversität und naturbasierte Klimaschutzmaßnahmen. Die letzten großen Auenwälder Mitteleuropas leiden massiv: Rund 50 % der Eichen in den Kernzonen sind bereits geschädigt oder abgestorben – auch im UNESCO-Welterbe Dessau-Wörlitz, wo zuletzt Hunderte Alteichen gefällt werden mussten.
Verstärkt wird die Austrocknung durch Tiefenerosion der Flusssohle, die durch Einengung und Begradigung vorangetrieben wird: Die Elbe wirkt zunehmend wie ein Entwässerungskanal der Landschaft.
„Wir brauchen einen klaren Kurswechsel: weg von der unrealistischen 1,40-Meter-Vorgabe an 345 Tagen, hin zu einer aufgeweiteten, naturnahen Elbe. Wenn die Politik die neuen klimatischen Realitäten anerkennt, kann die Elbe zur ‚deutschen Loire‘ werden – zum Hotspot für Naturtourismus, mit mehr Wasserrückhalt, lebendigen Auen und echter Resilienz“, so Carsten Preuß.
Hintergrund: Transportrealität statt Wunschdenken
- Im Bundesverkehrswegeplan seit 1992 wird die Ertüchtigung der Elbe für den Güterverkehr verfolgt.
- Die prognostizierten 12 Mio. Tonnen pro Jahr auf Mittel- und Oberelbe sind auf rund 0,15 Mio. Tonnen zusammengeschmolzen.
- Zielvorgabe des Bundesverkehrsministeriums ist eine Fahrrinnentiefe von 1,40 m an 345 Tagen – basierend auf den Jahren 1991–2010.
- Tatsächlich unterschritt die Elbe in den letzten zehn Jahren zwischen deutsch-tschechischer Grenze und Magdeburg die 1,40 m im Schnitt an 160 statt an 20 Tagen. In diesem Jahr liegen Wasserstände teils monatelang unter 1 m – ausreichend für Paddelboote, nicht für planbare Frachten.
- Neben Wasser fehlen inzwischen Schiffe und qualifizierte Schiffsführer; die traditionsreiche Elbschifffahrt ist in Folge von Klimawandel und Strukturwandel weitgehend Geschichte.
- Allein zwischen 2013 und 2022 flossen laut Bundesregierung rund 434 Mio. € in Verwaltung, Betrieb, Investitionen und Unterhaltung der Binnen-Elbe (CZ-Grenze bis Geesthacht). Rechnet man die Jahre seit 1992 insgesamt, summieren sich die Aufwendungen in der Größenordnung von deutlich über einer Milliarde Euro – bei gleichzeitig dramatisch sinkenden Transportmengen. (Bundestagsdrucksache 20/5426 Anfrage 112 Ralf Lenkert (Die Linke) S. 81)
Was jetzt zu tun ist
- Aufweitung des Flussquerschnitts: Fließgeschwindigkeit reduzieren, Sohlerosion stoppen und umkehren.
- Keine weitere Einengung des Flussbetts – sie schadet Wasserhaushalt, Landnutzung und Natur.
- Ökologischer Hochwasserschutz und Auenrenaturierung priorisieren, um Dürrefolgen abzufedern und Artenvielfalt zu stärken.
Forderungen des BUND Brandenburg
- Programm gegen Sohlerosion und für Aufweitungen an prioritären Abschnitten.
- Auenrenaturierung und natürlicher Hochwasserschutz vor technischer Verbauung.
- Integriertes Niedrigwassermanagement statt Fixierung auf überholte Tiefe-Zielwerte.
- Umschichtung von Mitteln in naturbasierte Maßnahmen, Biodiversität und Landschaftswasserhaushalt.
- Transparente Erfolgskontrolle zu Wasserständen, Sedimenthaushalt und Ökosystemzustand.
Pressemitteilung des BUND vom 20.8.25