BUND Pressemitteilung: 1200 Bäume sind genug!

BUND Pressemitteilung: 1200 Bäume sind genug!

Pressemitteilung

Dessau-Roßlau, 11. Dezember 2019

1 200 Bäume sind genug!

Bürger fordern nachhaltigen Umgang mit dem Wald im Dessau-Wörlitzer Gartenreich

Die Mitteldeutsche Zeitung berichtete am 11. November über geplante Fällungen von 8 000 Eichen. Seitdem erreichten viele empörte Bürgerstimmen Behörden, Politik und Umweltverbände. Nun haben sich Bürger und Bürgerinnen zusammengefunden, um weitere Fällungen zu stoppen und um sich für einen nachhaltigen Umgang mit dem Wald im UNESCO Welterbe Dessau-Wörlitzer Gartenreich einzusetzen.

„Wir fordern, dass das Moratorium für die Baumfällungen in den durch die Kulturstiftung Dessau-Wörlitz bewirtschafteten Wäldern aufrechterhalten wird“, erklärt Wolf-Erik Widdel im Namen der Bürgerinnen und Bürger. „1 200 Bäume fielen der Säge bereits zu Opfer, anscheinend ohne dass ein Konzept vorliegt, wie der Wald nachhaltig bewirtschaftet werden soll. Das weitere Abholzen einer unbestimmten Anzahl von Bäumen ist inakzeptabel.“

Nach Ansicht der Bürgerinnen und Bürger gebe die Pressemitteilung der Kulturstiftung vom 3. Dezember keinen transparenten Einblick in die Vorgänge um die forstlichen Maßnahmen in den wertvollen Auenwäldern zwischen Waldersee und Vockerode. Ein für den morgigen Donnerstag um 14 Uhr angesetzter Öffentlichkeitstermin kann die besorgte berufstätige Bürgerschaft kaum erreichen.

„Die Veröffentlichung der vor den Fällarbeiten und während des Moratoriums verfassten Stellungnahmen aller beteiligten Fachbehörden ist ein erster Schritt, um die Menschen in der Region einzubeziehen“, so Widdel. Die Durchführung weiterer forstlicher Maßnahmen könne erst erfolgen, wenn ein transparent abgestimmter Forststrategieplan vorliege. Für die Abstimmung dieser Planung wird die Einrichtung eines transparent arbeitenden Waldbeirats bei der Kulturstiftung gefordert.

 

Hintergrund:

Die Kulturstiftung Dessau-Wörlitz (KSDW) hat den staatlichen Auftrag, die UNESCO Welterbestätte „Dessau-Wörlitzer Gartenreich“ zu erhalten und zu schützen. Der Stiftung wurden dazu unter anderem Waldflächen des Landes Sachsen-Anhalt übertragen, um aus der forstwirtschaftlichen Nutzung einen finanziellen Beitrag zum Finanzbedarf der Stiftung beizutragen.

Gemäß des Berichts der Mitteldeutschen Zeitung vom 11.11.2019 beabsichtigte die Kulturstiftung Dessau-Wörlitz im Bereich der Elbauen zwischen Dessau-Waldersee und Vockerode, inmitten des UNESCO-Biosphärenreservates Mittellebe 8000 Eichen zu fällen. Die Fällungen werden mit der Notwendigkeit zur Verkehrssicherungspflicht, dem akuten Befall durch Prachtkäfer und Schädigungen durch Trockenheit begründet.

Aufgrund der öffentlichen Empörung über das angedachte Vorhaben, wurde seitens des Kultusministeriums ein Moratorium für die Fällarbeiten ausgesprochen. Das Biosphärenreservat Mittelelbe, der Landesforstbetrieb und das Landesamt für Umweltschutz wurden aufgefordert die Vorgänge fachlich zu bewerten. Das offizielle Ergebnis dieser Untersuchung wurde nicht veröffentlicht.

Auf dem Landesparteitag von Bündnis90/Die Grünen wurde ein Dringlichkeitsantrag durch die Delegierten verabschiedet, der die Aufrechterhaltung des Moratoriums bis zur Einrichtung eines Waldbeirats fordert. Dieser Beirat bestehend aus den betroffenen Gebietskörperschaften, dem Biosphärenreservat, dem Landesforstbetrieb und den Umweltverbänden, soll dauerhaft die öffentliche Kontrolle bei der Bewirtschaftung der wertvollen Auenwälder durch die Kulturstiftung sicherstellen.

Am 03. Dezember veröffentliche die Kulturstiftung eine Pressemitteilung. Darin wird auf die Ausgangsituation und auf zwei von mehreren der nicht öffentlichen Gutachten eingegangen. Im Ergebnis sollen die Fällarbeiten in einer nicht genannten Größenordnung wieder aufgenommen werden.

Eine Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern plant die Gründung einer parteiunabhängigen Bürgerinitiative und fordert die Aufrechterhaltung des Moratoriums bis ein transparent arbeitender Waldbeirat bei der Kulturstiftung installiert ist und ein Konzept für eine nachhaltige Bewirtschaftung der Waldgebiete vorliegt.

Ansprechpartner:

Wolf-Erik Widdel, mobil: 0172/7822511, E-Mail: info@wolferikwiddel.de

 

Beitragsfoto: Pixabay

Ein Gedanke zu „BUND Pressemitteilung: 1200 Bäume sind genug!

  1. Und das Landes-Waldgesetz hilft da nicht? „§ 13 Staatswald und Körperschaftswald:
    (1) Staatswald und Körperschaftswald dienen dem Allgemeinwohl in besonderem Maße. In ihren Wirtschaftszielen ist die Erhaltung und nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes als Gesamtressource zu gewährleisten. Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion bilden dabei eine Einheit. Staatswald und Körperschaftswald sind nach ökologischen und wirtschaftlichen Erfordernissen zu bewirtschaften.“

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