Ramsauer muss Chance für Elbe nutzen, ihre Klassifizierung als „Nebenwasserstraße“ beibehalten und die Flusslandschaft schützen

Ramsauer muss Chance für Elbe nutzen, ihre Klassifizierung als „Nebenwasserstraße“ beibehalten und die Flusslandschaft schützen

Pressemitteilung vom 31. August 2011

Magdeburg/Berlin: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer erneut aufgefordert, dem Druck von Teilen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion sowie aus der Landesregierung von Sachsen-Anhalt nicht nachzugeben und die Einstufung der Elbe als „Nebenwasserstraße“ beizubehalten. Ihre Klassifizierung in das „Wasserstraßen-Nebennetz“ sei eine große Chance, die an der Elbe einzigartige Vielfalt an Lebensräumen und Arten zu bewahren.

„Zwanzig Jahre Engagement für die Elbe haben sich jetzt schon ausgezahlt“, sagte Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND. „Es ist dem unermüdlichen Engagement der Bürgerinitiativen, Verbände und Kirchen zu verdanken, dass bisher und hoffentlich auch künftig mit der Elbe ein Juwel der Natur und der Biodiversität bewahrt wird. Denn an keinem anderen Fluss in Deutschland gibt es eine solche Vielfalt an geschützten Arten und Biotopen“, so Weiger.

Alle bisherigen Investitionen zum Ausbau der Wasserstraße Elbe hätten nicht dazu geführt, mehr Verkehr auf die Binnenschiffe zu verlagern. So habe die Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost 1999 für die Elbe zwar eine Steigerung der Transportmenge auf jährlich 23 Millionen Tonnen für 2010 prognostiziert. Tatsächlich sanken die Transporte jedoch auf aktuell rund eine Million Tonnen pro Jahr. Zu den Gründen für das dramatisch gesunkene Verkehrsaufkommen gehöre, dass die Elbe mit ihren stark schwankenden Wasserständen und lang anhaltenden Niedrigwasserzeiten nur sehr eingeschränkt für die Güterschifffahrt nutzbar sei. Daran hätten auch alle bisher durchgeführten Bagger- und Baumaßnahmen nichts ändern können.

Verkehr_Wasserstrassenkreuz_MD_2010

Güterverkehr auf der Elbe und der Kanalbrücke (Wasserstraßenkreuz bei Magdeburg) – Prognosen und Realität: Auf der Elbe sollten 2010 23 Millionen Tonnen Richtung Dresden transportiert werden, doch waren es nur 1,1 Millionen Tonnen. Im Ost-West-Verkehr über die Kanalbrücke des Wasserstraßenkreuzes waren 25 Millionen Gütertonnen für 2010 prognostiziert, real wurden nur 3,0 Millionen Tonnen gezählt – ebenso wenig wie vor dem Bau von Europas größter Schiffsbrücke.
Fazit: Die Prognosen wurden um eine Zehnerpotenz verfehlt. Die Investitionen von hunderten von Millionen haben nicht zur angestrebten Verkehrsverlagerung geführt – selbst nicht im Ost-West-Verkehr, wo Europaschiffe ganzjährig mit voller Auslastung fahren könnten. Diese teure Erfahrung lehrt: Die Prognosen sind nicht belastbar, weitere Investitionen in Elbe und Saale sind nicht zu verantworten.


Weiger: „Bundesverkehrsminister Ramsauer muss jetzt gemeinsam mit den Elbanrainer-Ländern die Prioritäten neu setzen. Auf den weiteren Ausbau von Elbe und Saale muss verzichtet werden. Vor allem muss die schädliche Vertiefung des Flusses, die zum Austrocknen der Auen führt, umgehend gestoppt werden. Wo es möglich ist, müssen künstlich versteinte Uferbefestigungen rückgebaut und weiche, natürliche Uferstreifen wieder hergestellt werden. Zur Senkung der Hochwassergefahr muss außerdem die Rückgewinnung natürlicher Überschwemmungsflächen vorankommen. Mit diesen ökologischen Verbesserungen wird auch die Attraktivität der Elbe für den naturverträglichen Flusstourismus weiter steigen. Dies bietet die besten Chancen für den Arbeitsmarkt und die Wertschöpfung in der Region.“

Pressekontakt: Ernst Paul Dörfler, BUND-Elbeprojekt: Tel.: 039244-290 oder 0178-1617800


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